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Die Gretchenfrage

Es ist intellektuell redlich, wenn jemand sagt, ja, für mich existiert ein Gott. „Die scheinbare Toleranz ist eine scheinheilige Toleranz“, so Professor Huber. Laut ihm werden Personen, die an transzendentale Wesen glauben für dumm gehalten. Gegen dieses Verhalten möchte er sich wehren.

Der promovierte Theologe und Mediziner Univ. Prof. DDr. Johannes Huber versucht interdisziplinär die Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten der modernen Biomedizin mit philosophischen und theologischen Einsichten zu verbinden, um so zu einer ethischen Bewältigung der anstehenden Aufgaben und Probleme zu kommen.

So lehnt er die darwinistische Sicht der Entstehung des Lebens durch blinden Zufall ab, nimmt aber eine „gerichtete Evolution“ an, wonach sich gemäß dem Plan eines Schöpfers, den Prof. Huber in Anklang an das Gottesbild der Freimaurer als „Weltenbaumeister“ bezeichnet, die einzelnen Lebensformen in ihrer Entwicklung einem inneren Ordnungsprinzip folgend an jenen Bedingungen der Außenwelt orientiert hätten, die dem höherstrebenden Leben förderlich waren.

Er zeigt auf, dass das menschliche Erkennen abhängig ist von einer vorgängigen Prägung der Sinne durch die Außenwelt. Insofern wird das Erkennen zum Beweis des Erkannten. Eine Parallele zur aristotelisch-thomistischen Sichtweise, dass menschliches Erkennen bei den Sinnen seinen Anfang nimmt, scheint erkennbar. Seine weiteren theologischen Folgerungen wird man aber vergeblich im Katechismus der Katholischen Kirche finden.

Ein wahrer Tsunami von Informationen über die Epigenetik stürzte auf uns ein: vom DNA der Kinder, das lebenslang im Mutterleib vorhanden bleibt bis zur Erkenntnis der „Zellverwandschaft“ des Vaters in seiner Frau, die durch den Zeugungsakt eintritt und „Die Evolution des Menschen macht gerade einen Sprung“: „Der Mensch 2.0 entsteht.“ Und weiter zur Theorie der Zweiten Jugend, angestrebt in der Koalition von „Genentech“ und „Google“ (dabei bemühte er auch die Apokalypse des heiligen Johannes.) Und wenn das schon nicht genug war, dann hurtig zur Offenbarung, dass alle Erfahrungen, Erlebnisse und Eigenschaften im DNA gespeichert werden, einem Art Neuroarchiv.

Unsere Mitglieder, an die 80, waren so begeistert, sie konnten einfach nicht genug kriegen. Unserem Präsidenten, Dr. Kurt Tiroch, gebührt wahrlich das Lob, dass ihm dieser große Wurf gelungen ist, Professor Huber ins Café Ministerium zu holen. Für Professor Huber jedoch war der Abend bald zu Ende, denn am nächsten Tag ging es nach Berlin zu einem weiteren Vortrag. Wir aber feierten fleißig weiter. Das Café Ministerium war viel zu einladend! Also, langsam schäme ich mich, immer wieder darauf hinzuweisen, wie sehr ich Sie bedauere, sollten Sie diesen Abend verpasst haben!

Ach ja, die Gretchenfrage in der Überschrift. Was soll das, was ist denn das? Mit ihr beendete Professor Huber (vielsagend?) seinen Vortrag:

Margarete:

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.

 

Faust:

Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;
Für meine Lieben ließ' ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

 

Margarete:

Das ist nicht recht, man muss dran glauben.

 

Faust:

Muss man?

 

Wolfgang Geißler