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Christentum und Islam in Europa heute

In einer philosophisch-theologischen tour de force auf höchstem Intellektuellen Niveau begeisterte der Theologe und Mediziner Univ. Prof. DDr. Matthias BECK sein zahlreiches Publikum bei einer ABS- Veranstaltung am 21. November in der Universität Wien.

„Christentum und Islam in Europa heute“ ist ein hochaktuelles und sehr emotional und kontrovers diskutiertes Thema dieser Tage.

Beck stellte die Frage, wieviel die Christen heute noch eigentlich von ihrer Religion und ihrem Glauben verstünden, in den Mittelpunkt seines Vortrages.

Ohne ein Fundament des Wissens und der Einsicht kann der Dialog mit dem Islam nicht gelingen.

Die europäische Geistesgeschichte bis zur Aufklärung und bis zum heutigen Tage fußt auf der antiken griechischen und römischen Philosophie, wobei die vier Tugenden der Antike- Verständnis, Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Tapferkeit – später von der Kant‘schen Tugendlehre übernommen wurden. Beck verstand es meisterhaft, die kulturgeschichtliche Tradition dieser Begriffe und ihre Bedeutung für das Christentum den Zuhörern auszubreiten.

Von dem deprimierenden Umstand ausgehend, dass heute in Österreich nur mehr weniger als die Hälfte der Bevölkerung Katholiken seien und in 20 Jahren wahrscheinlich sogar diese Zahl halbiert werden wird, ist die Auseinandersetzung mit dem Islam in seinen vielfältigen Ausprägungen - insbesondere mit dem Koran - dringender denn je.

Matthias Beck plädiert in diesem Zusammenhang dafür, dass den Kindern bereits im Volksschulalter die Grundzüge der monotheistischen Religionen näher gebracht werden sollten.

Die Würde des Menschen - verankert auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland - sei ein zentraler universeller Wert, nicht nur für die christliche Lehre.
Was die Gerechtigkeit betrifft, sei es ein Irrglaube, dass nur Gleichheit aller Menschen die Gerechtigkeit auf Erden schaffen und sichern könnte.

Beck legte in anschaulicher Weise die teils gravierenden Unterschiede in den drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam- dar .Für die Juden ist GOTT eine „Befreier aus der Knechtschaft“ und die zehn Gebote Moses’ dienen hauptsächlich dem Erwerb und dem Erhalt der Freiheit.

Für die Christen ist GOTT das menschgewordene „Wort“ (Logos). Gott braucht ein Gegenüber, die Welt als existentieller Voraussetzung. Die Freiheit des Menschen, sich auch gegen Gott zu entscheiden, sei dem Christentum immanent. Der Islam wirft dem Christentum vor, an „3 Götter“ (Lehrte von der Dreifaltigkeit) zu glauben, was nach Beck natürlich ein Unsinn sei.

Bei dem Verständnis des Islam und vor allem bei der Interpretation des Koran müsse unbedingt auch die Zeit Mohammeds,600 n.Chr. mit ihrer kriegerischen und gewalttätigen Tradition berücksichtig werden. Die oft widersprüchlichen Aussagen des Koran machen es auch für den gebildeten Menschen sehr schwer, die“ Botschaft der Liebe“ und die „Botschaft des Hasses“ einzuordnen und zu begreifen .Ob nicht auch das „Alte Testament“ einen weiten Interpretation Spielraum gewähre ,bejahte Beck- das Neue Testament sei demgegenüber ein „totaler Bruch“.

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In der nachfolgenden, sehr niveauvollen Diskussion wurde auch die Frage thematisiert, ob ein „Dialog“ des Christentums mit dem Islam überhaupt sinnvoll sei - dazu gab es divergierende Auffassungen.

Was die zentrale und von vielen Menschen in Europa gestellte Frage anlangt, welche Vorgangsweise gegenüber den Muslimen in unserem Kontinent verfolgt werden soll - „Assimilierung -Integration-“Multi-Kulti“ Parallelgesellschaft- trat Beck vehement für die Integration ein und erteilte dem oft propagierten multi - kulti System eine klarte Absage.

Alles in allem: eine gewaltige geistige Herausforderung für das Publikum, das dem Vortragenden mit anhaltendem Applaus dankte und ihm auch die wenigen mitgebrachten Exemplare seines neuesten Buches „Christ sein-was ist das“ förmlich aus der Hand gerissen hat und sich dann geduldig anstellte, um eine persönliche Widmung im Buch zu bekommen.

Die ABS hat wiederum mit der Veranstaltung demonstriert, welche nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Breite ihrem Programm zugrunde liegt.

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Alexander Christiani